Studienstiftung des deutschen Volkes Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ)
f.ize | Forum Internationale Zusammenarbeit für Nachhaltige Entwicklung [Logo]

Clean Development Mechanism (CDM) - Symbiose aus Klimapolitik und Entwicklungszusammenarbeit?

Lambert Schneider, Öko-Institut e.V., Wissenschaftlicher Mitarbeiter Energie & Klimaschutz
Clean Development Mechanism (CDM) - Symbiose aus Klimapolitik und Entwicklungszusammenarbeit? / Lambert Schneider, Öko-Institut e.V., Wissenschaftlicher Mitarbeiter Energie & Klimaschutz | f.ize | Forum Internationale Zusammenarbeit für Nachhaltige Entwicklung


10.03.2009, 19:00 Uhr
GTZ-Haus Berlin, Reichpietschufer 20


Abbildung:

Klimaschutz steht spätestens seit 2007 mit ganz oben auf der Agenda der internationalen Politik. Durch das Kyoto-Protoll gelten seit diesem Jahr erstmals rechtlich bindende Emissionsgrenzen für die Vertragsstaaten. Im Rahmen dieses Protokolls haben sich die sogenannten Annex-I-Staaten (die EU, Japan, Russland, Australien und Kanada) verpflichtet, ihre Treibhausgas-Emissionen zu senken, um den Klimawandel, wenn nicht zu verhindern, so doch zu begrenzen. Schwellen- und Entwicklungsländer wurden von der Selbstverpflichtung ausgenommen. Grund hierfür ist, dass die Emissionen pro Kopf dort um ein vielfaches geringer sind: Ein Deutscher emittiert beispielsweise Zehnmal so viel wie ein durchschnittlicher Inder. Allerdings gibt es gerade in den schnell wachsenden und sich industrialisierenden Staaten Asiens und Lateinamerikas enorme und relativ günstige Einsparungspotentiale, vor allem bei ineffizienten Kraftwerken und Industrieanlagen, regenerativen Energien und dem Waldschutz. Dort, wo gerade erst eine Strominfrastruktur aufgebaut wird, ist es besonders sinnvoll, von Anfang an auf regenerative Energien zu setzen und damit nicht die Fehler des Westens zu wiederholen. Der "Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung" (Clean Development Mechanism, CDM) ist ein Versuch, im Rahmen des Kyoto-Protokolls Klimaschutz dort umzusetzen, wo er am günstigsten zu erreichen ist und gleichzeitig zur nachhaltigen Entwicklung beizutragen.

Im Rahmen des CDM können private Unternehmen oder öffentliche Institutionen in Nicht-Annex-I Staaten Klimaschutzprojekte durchführen, wofür diese Emissionszertifikate erhalten. Diese Zertifikate können zum Beispiel im europäischen CO2-Handelssystem verwendet werden oder an der Börse verkauft werden. Neben der Nutzung des Emissions-Einsparpotentiales zu vergleichsweise günstigen Preisen tragen CDM-Projekte im Idealfall zusätzlich zur Diffusion moderner Technologien bei und schaffen so langfristig Wohlstand in heute ärmeren Staaten. Der bei weitem überwiegende Teil aller CDM-Projekte wird im Moment in China implementiert. Neben der Weltbank und der Kreditanstalt für Wiederaufbau sind auch privaten Akteuren wie perspectives.cc in dem Feld engagiert.

Während CDM eine große Chance darstellt, gibt es auch zahlreiche Probleme. Aus Umwelt-Perspektive ist bei vielen Projekten zweifelhaft, ob die Einsparungen wirklich additional sind, oder ob sie nicht ohnehin stattgefunden hätten (zum Beispiel um teure Brennstoffe in Kraftwerken zu sparen). Mit anderen Worten: Bewirkt CDM mehr als einen reinen Mitnahmeeffekt? Außerdem besteht die Gefahr des Treibhausgas-Leck (leakage): Zwar werden Treibhausgase in einem Projekt eingespart, die gleiche Menge jedoch dafür woanders zusätzlich freigesetzt. Was nützt etwa ein Wiederaufforstungs-Projekt, wenn nebenan Urwälder abgeholzt werden? Politische und politökonomische Probleme bestehen zudem in der aufwändigen Zertifizierungs-Bürokratie durch eine eigens geschaffene UNO-Behörde in Bonn. Mittelfristig müssen außerdem die großen Schwellenländer für ein globales und umfassendes Klimaregime gewonnen werden. Es ist nicht klar, ob CDM dafür ein Wegbereiter sein könnte oder nicht vielmehr den Schwellenländern eine zusätzliche Einnahmequelle schafft, die sie nur ungern wieder hergeben werden.

Gemeinsam mit Interner Link zu: Lambert SchneiderLambert Schneider vom externer Link zu: Öko-Institut e.V.Öko-Institut e.V. und euch wollen wir die spannenden Fragen rund um die CDMs diskutieren. Herr Schneider ist Mitglied im Methodological Panel des UN Executivrats für den Clean Development Mechanism (CDM) unter dem Kyoto-Protokoll. Seit 2001 ist er Mitglied der deutschen Delegation bei den internationalen Klimaverhandlungen. Die Anzahl der Teilnehmenden ist wie üblich auf 12 Personen beschränkt. Bei Interesse an der Veranstaltung, meldet Euch mit Euren Fragen zum Thema bis zum 3. März Interner Link zu: hierhier hier an.


Für diese Veranstaltung verantwortlich:
Joanna Münker, Sebastian John und Lion Hirth


SchriftgrößeSchrift vergrößern Schrift verkleinern

DruckversionDruckversion | Seitenanfang


(c) 2002-2017 stoyke.com