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"Reformierte, autoritäre Herrschaft in Nordafrika am Ende: Tunesien, Ägypten, und dann?..."

Dr. Dirk Axtmann, freier Berater mit den Schwerpunkten good governance und politische Reformen im Maghreb, ehemalig Chef de projet AHK Tunesien
"Reformierte, autoritäre Herrschaft in Nordafrika am Ende: Tunesien, Ägypten, und dann?..." / Dirk Axtmann, freier Berater mit den Schwerpunkten good governance und politische Reformen im Maghreb, ehemalig Chef de projet AHK Tunesien | f.ize | Forum Internationale Zusammenarbeit für Nachhaltige Entwicklung


17.02.2011, 19:00 Uhr
Taubenschlag der Studienstiftung am Gendarmenmarkt (Jägerstr. 22/23)


Die aktuellen Ereignisse in Nord-Afrika überschlagen sich in den letzten Wochen: Nachdem die Proteste der tunesischen Bevölkerung zur Flucht von Staatschef Zine el-Abidine Ben Ali geführt haben, ist nun Ägypten seit 9 Tagen in Aufruhr. Was am 25. Januar mit einer Großdemonstrationen von Zehntausenden auf dem Tahrir-Square in Kairo begann, hat sich innerhalb weniger Tage zu einer nationalen Revolte entwickelt. Trotz Ausgangssperren, Polizei- und Militäraufgebot geht die ägyptische Bevölkerung zu Millionen auf die Straße, um gegen die Regierung und Staatspräsident Hosni Mubarak zu demonstrieren. Sie fordern seinen sofortigen Rücktritt - den er bislang verweigert. Zwar hat Mubarak in seiner Rede vom 1. Februar seinen Amtsverzicht angekündigt, jedoch erst zum Ende seiner regulären Amtszeit im September 2011. Der Mehrheit des ägyptischen Volks ist das nicht genug, weshalb sie weiterhin mit ihren Forderungen auf die Straßen gehen. Dabei kam es am 2. Februar zur Eskalation des bisher größtenteils friedlich verlaufenen Protests. Militante, bewaffnete Mubarak-Anhänger, unter denen auch Zivilpolizisten sind, stürmten den Tahrir-Square und gingen auf die seit Tagen ausharrenden, unbewaffneten Demonstranten los. Die Gewalttaten haben bisher mind. einen Toten und mehr als 600 Verletzte gefordert.

Während der Ausgang der Revolte in Ägypten unklar ist, ziehen die Ereignisse am Nil weite Kreise. Nicht nur der Maghreb ist von den aktuellen Entwicklungen betroffen, der Protestfunke ist auf viele Länder übergesprungen und zeigt erste Folgen: im Sudan wie im Yemen und auch in Jordanien kam es zu Demonstrationen, am 1. Februar hat der jordanische König Abdullah I. die Regierung abgesetzt und in Syrien sind nun auch für den 4. und 5. Februar die ersten Massen-Proteste gegen Präsident Bashar al-Assad angekündigt.

Es sind in fast allen Staaten der Region ähnliche strukturelle und soziale Probleme, wie hohe Arbeitslosigkeit, steigende Lebensmittelpreise, Mangel an Bildungs- und Zukunftsperspektiven für die Jugend sowie fehlende Meinungs- und Pressefreiheit unter der autoritären Herrschaft, welche die Menschen auf die Straßen treiben.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse möchten wir euch herzlich einladen, am Donnerstag, 17. Februar ab 19 Uhr gemeinsam mit Dr. Dirk Axtmann die aktuellen Ereignisse zu reflektieren und diskutieren. Welche Entwicklungen haben die nordafrikanischen Staaten seit der Unabhängigkeit durchlaufen und wie bestimmen diese die aktuellen Ereignisse? Der Vortrag von Herrn Axtman mit Fokus auf Tunesien wird die autoritäre Herrschaft in Nordafrika seit der Unabhängigkeit in ihren einzelnen Etappen beleuchten und dabei auf die sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen in Nordafrika seit den 1950er Jahren sowie die "Reform autoritärer Herrschaft" seit dem Ende der 1980er Jahre eingehen. Kennzeichen von "reformierten autoritären Regimen", wie formal-pluralistische Wahlen und manipulierte Opposition, die Bedeutung und Praxis von Wahlen in der Vergangenheit und Perspektiven von freien Wahlen in Tunesien sollen diskutiert werden. Außerdem wird Herr Axtmann über die Möglichkeiten der Demokratieförderung "von außen" und seine Erfahrungen aus der Praxis der deutschen Entwicklungszusammenarbeit im Maghreb berichten.

Veranstaltungsort ist die GTZ Repräsentanz Berlin (Reichpietschufer 20).

Die Anzahl der Teilnehmenden ist wie üblich auf 12 Personen beschränkt. Bei Interesse an der Veranstaltung meldet Euch bitte mit Euren Fragen zum Thema bis zum 8. Februar 2011 an.



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