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Stiftungen als Akteure gesellschaftlichen Wandels – Philanthropie als Faktor in der internationalen Politik

Dr. Arend Oetker, Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, Präsident
Stiftungen als Akteure gesellschaftlichen Wandels – Philanthropie als Faktor in der internationalen Politik / Arend Oetker, Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, Präsident | f.ize | Forum Internationale Zusammenarbeit für Nachhaltige Entwicklung


19.02.2009, 19:00 Uhr
Studienstiftung des deutschen Volkes, Jägerstr. 22/23 (Nähe Gendarmenmarkt)


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Seit den 1990er Jahren wird verstärkt auf eine Entwicklung hingewiesen, die als "stille Revolution" in gesellschaftlichen Entscheidungs- und Steuerungsprozessen bezeichnet werden kann. Aufgrund der zunehmenden Transnationalisierung von politischen Prozessen hat die Bedeutung der Nicht-Regierungsorganiationen bei der Bewältigung von globalen politischen Herausforderungen zugenommen. Diese Entwicklung wird von den politischen Entscheidungsträgern forciert, indem die Bedeutung gesellschaftlicher Akteure bei der Lösung gesellschaftlicher Probleme angemahnt wird. In diesem Zusammenhang treten Stiftungen auf nationalem und internationalem Parkett verstärkt in Erscheinung. Sie vergeben Fördergelder, organisieren große Foren und vergeben Preise, um innovative Ideen auszuzeichnen.

Im Bereich der internationalen Zusammenarbeit treten in den vergangenen Jahren insbesondere Stiftungen in Erscheinung, die von (einfluss)reichen Privatpersonen finanziert werden (z. B. die externer Link zu: Bill and Melinda Gates FoundationBill and Melinda Gates Foundation, die externer Link zu: Soros FoundationSoros Foundation und die externer Link zu: Clinton FoundationClinton Foundation) oder die sich zu den unternehmensverbundenen Stiftungen zählen (z.B. die externer Link zu: Shell FoundationShell Foundation oder die externer Link zu: Ford FoundationFord Foundation). Diese Stiftungen haben, auch aufgrund ihrer teilweise sehr umfangreichen Budgets, einen großen Einfluss auf verschiedene Politikfelder, wie z.B. die globale Vorsorge vor HIV oder die Förderung von zivilgesellschaftlichen Strukturen.

Die Beurteilung des Engagements von Stiftungen ist durchaus ambivalent. Neben einer großen gesamtgesellschaftlichen Akzeptanz äußern sich auch kritische Stimmen, die die Legitimität von Stiftungshandeln hinterfragen. So ist die ‚politische Neutralität’, auf die sich viele Stiftungen berufen, bei der Förderung zivilgesellschaftlicher Akteure in anderen Ländern häufig nicht möglich. Ein weiterer Kritikpunkt ist die Kleinteiligkeit des Stiftungshandelns. In diesem Zusammenhang wird von der sogenannten „Projektitis“ gesprochen. Die Aktivitäten der verschiedenen Stiftungen werden in vielen Fällen selten oder gar nicht miteinander koordiniert, so dass doppelte Strukturen geschaffen werden, in denen keine Synergien zwischen den einzelnen Vorhaben erzielt werden.

Gleichzeitig werden die Stiftungen aber auch für ihre flexible und zielorientierte Herangehensweise gelobt. Für viele staatliche Handlungsträger hat ein solcher Ansatz durchaus Vorbildcharakter. Philanthropisch engagierte Einzelpersonen, die über die entsprechenden finanziellen Ressourcen verfügen, können ohne größere Vorlaufzeit Mittel für Vorhaben zur Verfügung stellen, die sie für förderungswürdig halten und so zeitnah innovative Lösungsansätze entwickeln.

In der aktuellen Diskussion werden insbesondere Möglichkeiten diskutiert, die Effektivität und Effizienz von Stiftungshandeln zu erhöhen. Wichtige Themen sind hier eine stärkere Professionalisierung der Managementstrukturen in Stiftungen, eine stärkere Wirkungsorientierung im Sinne einer systematischen Projektevaluierung und eine stärkere Bündelung von Ressourcen, was durch die Übernahme von Instrumenten aus der Privatwirtschaft (Beispiel: ‚Social Venture Capital’) erreicht werden könnte.

Im Rahmen der Diskussion um Stiftungen und Philanthropie in den internationalen Beziehungen stellen sich somit unter anderem die folgenden Fragen: Was sind die Besonderheiten von Stiftungen gegenüber anderen Nonprofit-Organisationen in der internationalen Politik? Wie interagieren Stiftungen und Philanthropen mit anderen (staatlichen und nicht-staatlichen) Akteuren? Was sind Grenzen von Stiftungshandeln bzw. philanthropischem Engagement? Wie können Stiftungen ihre eigene Effektivität und Effizienz, aber auch die anderer internationaler Akteure erhöhen? Die Teilnehmer der Veranstaltung sind herzlich eingeladen, ihre eigenen Fragen zu formulieren.

Zusammen mit Interner Link zu: Herrn Dr. Arend OetkerHerrn Dr. Arend Oetker (Präsident des externer Link zu: Stifterverbandes für die Deutsche WissenschaftStifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft und Präsident der externer Link zu: Deutschen Gesellschaft für Auswärtige PolitikDeutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik) wollen wir diese und andere Fragen im Rahmen eines f.ize Abends diskutieren.

Die Anzahl der Teilnehmenden ist wie üblich auf 12 Personen beschränkt. Bei Interesse an der Veranstaltung, meldet Euch Interner Link zu: hierhier mit Euren Fragen zum Thema bis zum 13. Februar an.


Für diese Veranstaltung verantwortlich:
Joanna Münker, Sebastian John und Paul-Georg Friedrich


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