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Mikrokredite - Erfolgreiche Armutsbekämpfung oder Scheitern auf Raten?

Dr. Philip Marder, Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung
Mikrokredite - Erfolgreiche Armutsbekämpfung oder Scheitern auf Raten? / Philip Marder, Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung | f.ize | Forum Internationale Zusammenarbeit für Nachhaltige Entwicklung


02.05.2014, 18:00 Uhr
GIZ Repräsentanz, Reichpietschufer 20


Spätestens seit 2006 der Bankgründer Muhammad Yanus aus Bangladesch den Friedensnobelpreis für die Idee und Umsetzung von Kleinst-Krediten erhalten hat, ist der Mikrofinanzansatz nicht nur etabliertes, sondern auch gefeiertes, Instrument der Entwicklungszusammenarbeit. Nach dem „verlorenen Jahrzehnt“ der EZ schien damit endlich ein nachhaltiger Beitrag zur Armutsbekämpfung gefunden zu sein. Als „armutsrelevante Finanzdienstleistung“ (BMZ) wird Mikrofinanzierung als ein, speziell an Nachfrage und Lebenssituation armer Menschen angepasstes, Instrument verstanden, welches mit kleinen Beiträgen, flexiblen Zahlungen und einer unbürokratischen Abwicklung den schwierigen Lebensumständen Rechnung tragen soll.

Diesem entwicklungspolitischen „Wundermittel“ welches sich durch eine stetige Zunahme von Fördervolumina auszeichnet, stehen allerdings auch vermehrt kritische Stimmen gegenüber. Einer dieser Kritiker ist der Volksökonom Dr. Philip Mader, der auf die ausbleibenden positiven Wirkungen des Konzepts aufmerksam macht. Während der entwicklungspolitisch-öffentliche Diskurs Erfolgsgeschichten einzelner Kleinunternehmer_innen fokussiert, stellt der Entwicklungsökonom des Max-Planck-Instituts für Gesellschaftsforschung (MPIfG) in seiner Arbeit fest, dass Mikrokredite vor allem der Finanzindustrie zuträglich sind. Diese „Finanzialisierung der Armut“, so seine These, unterstützt gerade nicht den beabsichtigten wachsenden Wohlstand der Kreditnehmer__innen, und auch die vermeintlichen „mobilisierenden“ und „emanzipierenden“ Effekte des Konzepts lassen sich nicht nachweisen. Stattdessen dominieren Sanktionen und Demütigungen am „unteren Ende“ der Kette, um die Kreditausfälle möglichst gering zu halten.

In seiner Arbeit plädiert Philip Mader „absolut überzeugend“ für ein Umdenken im Bereich der Mikrofinanzierung, und ist dafür 2013 mit dem Deutschen Studienpreis der Körper-Stiftung für die wichtigste Dissertation des Jahres ausgezeichnet wurden. Anhand der detaillierten Analyse des Ökonomen (B.A. Sussex/M.A. Cambridge/Phd Köln) soll in dem Gespräch dem Phänomen der Mikrofinanzierung kritisch nachgegangen werden. Als anerkanntes Instrument der Entwicklungspolitik, mit der deutschen KfW als weltweit größtem, öffentlichem Geber im Mikrofinanzbereich, stellt die Diskussion einen wichtigen Beitrag zur differenzierten Bewertung dieses entwicklungspolitischen „Wundermittels“ dar.



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