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Gesucht – neue Konzepte für ländliche Entwicklung

Dr. Harald Hoppe, Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg in Potsdam, Referatsleiter Ländliche Entwicklung
Gesucht – neue Konzepte für ländliche Entwicklung / Harald Hoppe, Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg in Potsdam, Referatsleiter Ländliche Entwicklung | f.ize | Forum Internationale Zusammenarbeit für Nachhaltige Entwicklung


13.05.2008, 19:00 Uhr
GTZ-Haus Berlin, Reichpietschufer 20


Die Deutschen werden weniger und älter! Nach jahrzehntelanger Ignoranz gegenüber diesem Thema hat das als „demographisches Problem“ zusammengefasste Idiom es endlich in den breiten gesellschaftlichen Diskurs geschafft. Welche Auswirkungen dies haben wird – daran zerbrechen sich Heerscharen von Wissenschaftlern und Experten momentan die Köpfe. Die vermeintlichen Verlierer dieses Prozesses stehen jedoch jetzt bereits fest: es sind die dünn besiedelten, traditionell landwirtschaftlich ausgerichteten oder altindustriellen Regionen, nicht nur in Deutschland sondern auch anderen Regionen der Welt.

Eine massenhafte Abwanderung der jungen, mobilen und arbeitsfähigen Bevölkerung sind nur die ersten Anzeichen einer Entwicklung, an deren Ende „abgehängte“ Regionen prosperierenden Entwicklungskernen, die in den Metropolenregionen anzufinden sein werden, gegenüberstehen. Für Deutschland scheint sich der neoliberale Weg – eine Stärkung der Stärken und Potentiale – auch in den Förderinstrumenten der Europäischen Union und vereinzelter Bundesländer allmählich durchzusetzen. Dies geschieht vor allem nachdem klar wurde, dass eine Strategie des Ausgleichs, deren Kern die undifferenzierte Alimentierung benachteiligter Regionen nach dem sogenannten „Gießkannenprinzip“ beinhaltete, zu wenig sichtbare Erfolge vorweisen konnte.

Nach vielen externen Schocks und einem sukzessiven Wandel der nationalen und globalen Wirtschaft scheinen viele ländliche Regionen ihre raison d’être verloren zu haben. Aus dem traditionell wichtigen Versorger städtischer Gebiete von einst, sowohl mit Arbeitskräften als auch mit Rohstoffen, entwickeln sich funktionslose Räume mit Reserveflächen, die niemand in Anspruch nimmt und die kaum noch etwas zur nationalen Wirtschaft beitragen.

Politik und Verwaltung, die in Deutschland per Grundgesetz dazu verpflichtet sind, auf dem gesamten Bundesgebiet „gleichwertige Lebensverhältnisse“ zu gewährleisten, stehen vor ähnlichen Problemen wie die Regierungen anderer Staaten, öffentliche Dienstleistungen bereitzustellen, die von immer weniger Menschen in Anspruch genommen werden und sich dadurch relativ verteuern. Eine Buslinie kann man aufgrund zu geringer Auslastung schnell einstellen, aber wie steht es um Investition und Aufrechterhaltung von Straßen, Bildungs- und Sozialeinrichtungen und technischer Infrastruktur?

Sind unsere ländlichen Gebiete noch zu retten und soll man sie überhaupt retten? Sollte man großflächige Areale nicht wieder der Natur zurückgeben und sie für den Fall des erneuten Bedarfs der zukünftigen Nutzung „vorbehalten“? Wie steht es um die Klein- und Mittelstädte, die häufig eine schützenswerte, historische Bausubstanz vorweisen, aber denen dennoch die Bewohner fehlen, um diese zu bewohnen und zu unterhalten? Ein breites Naturangebot wird häufig als touristisches Potential ausgelegt – aber gibt es überhaupt so viele Touristen wie landschaftlich reizvolle Urlaubsdestinationen?

Unsere auf stetigen Progress und Wachstum gepolte Gesellschaft muss noch lernen Schrumpfungsprozessen adäquat zu begegnen. Daher fehlen im Moment Handlungsstrategien, die sich aus der Empirie speisen, was aber nicht unbedingt von Nachteil sein muss. Es ist der passende Zeitpunkt, um über radikale Lösungen zu diskutieren, z.B. über neue ländliche Lebensmodelle und innovative Nutzungsstrategien. Im selben Moment muss man aber auch die Nachhaltigkeit solcher Entwürfe hinterfragen und muss beurteilen, was wir aus anderen Ländern lernen könne bzw. ob hiesige Lösungen global übertragbar sind?

Diese und weitere Fragen wollen wir zusammen mit Interner Link zu: Dr. Harald HoppeDr. Harald Hoppevom Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg diskutieren. Dr. Hoppe ist Leiter des Referats „Ländliche Entwicklung“ und kann auf eine lange Berufserfahrung in diesem Bereich zurückblicken.

Die TeilnehmerInnenzahl ist auf 12 beschränkt. Wir bitten Euch, wie immer, um eine Interner Link zu: AnmeldungAnmeldung bis zum 05.05.2008 unter Angabe Eurer Fragen zum Thema und einer kurzen Begründung Eures Teilnahmewunsches.


Für diese Veranstaltung verantwortlich:
Joanna Münker und Sebastian John


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